Hans

Die Zündschnüre…Gimme an F!-Musikalische Unterhaltung mit Inhalt und Haltung

Irene S. Steuermann Hans Fraeulin Partisan Michael Krusche Franz Schmuck Christoph Wundrak Maria Konrad
Irene S Hans Fraeulin Michael Krusche Franz Schmuck Ch. Wundrak Maria Konrad

Nach dem letztjährigen Gedenken am Grazer Denkmal für Deserteure auf der Ries entschlossen wir uns, ein Konzertprogramm mit einschlägigen Liedern zu erarbeiten. Dank einer neuen Kulturpolitik im Land bekamen wir zum Bestreiten der Probenarbeit eine kleine Förderung und erarbeiteten bisher 15 Lieder mit einem kraftvollen, Sabotage-resistenten Sound - mit anderen Worten: Stecker aus der Dose ziehen zwecklos. Bei der heurigen Gedenkfeier brachten wir sieben Lieder zu Gehör und suchen nun Auftrittsmöglichkeiten in Graz und in der Steiermark.

Zündschnüre

Die Zündschnüre des Pick-up Theaters bestehen aus:

Irene S. (vocals)
Hans Fraeulin (vocals)
Michael Krusche (guitar, mandolin)
Franz Schmuck (drums, percussion)
Christoph Wundrak (trumpet, euphonium)
Maria Konrad (vocals)

Demo-CD

Kontakt:

Hans Fraeulin
Pick-up Theater Graz
Stiftingtalstr. 120
A-8010 Graz
0043-316-356123
0699-11550768
hans.fraeulin@pickuptheater.com

Repertoire (Stand 1.6.08)

1. Andonis (Kambanelis/Pannach/Theodorakis)

Von Gerulf Pannach übersetztes und mit Christian Kunert arrangiertes Lied aus dem Mauthausen-Oratorium der beiden Griechen. Die beiden Deutschen aus der DDR-Rock-Szene waren im Zuge der Biermann-Ausbürgerung rübergemacht worden und brillierten mit ihrem Sound im Westen. Mikis Theodorakis hat die Musik noch einmal für „Z“ von Konstantin Costa-Gavras verwendet. Der Film schildert das Attentat auf den Abgeordneten Lambrakis am Vorabend der griechischen Militärdiktatur. Unvergesslich Yves Montand als Lambrakis, Irene Pappas als seine Witwe und Jean-Louis Trintignant als der unerschrockene Staatsanwalt, der die halbe griechische Generalität verhaften ließ und dem man nachher in die Hand fiel. Der Tatort des Liedes aus dem Mund des griechischen Kraftprotzes ist die Todesstiege im Steinbruch vor dem KZ Mauthausen.zum Repertoire

2. König von Preußen (trad.)

Lieder wie dieses sind in den Feldlagern von damals bei hohen Strafen zu singen verboten gewesen, haben sich aber trotzdem tradiert, wahrscheinlich wegen ihres Wahrheitsgehalts. Nur die Nazis haben den König von Preußen in seiner Grausamkeit übertreffen können. Ein Porträt Friedrichs II. hing bei Adolf Hitler im Führerbunker an der Wand.zum Repertoire in Arbeit

3. Florian Geyer (trad.)

Wegen seines antiklerikalen Charakters auch in der Nazi-Zeit gesungen. Die letzte Strophe: „Geschlagen kehren wir nach Haus, unsre Enkel fechten’s besser aus“, passte vielleicht nicht in den damaligen Dauerjubel, schaffte aber Identität mit den aufständischen Bauern von 1525. Es ist jedoch anzumerken, dass die damaligen Bauern, welche ihre Sensen gerade richteten, etwas anderes vorhatten, als in Frankreich oder Russland nach einem Stück Land zu suchen.zum Repertoire

4. Mutter Courage (Brecht/Dessau)

Bert Brecht hat das französische Volkslied ein paar Mal verwendet, bevor ihm Paul Dessau den zackigen Marsch und diese entsetzlichen Pausen verordnete. Die fehlen hier gottlob. Der Zynismus fällt auf: „Kanonen auf die leeren Mägen...“, soll angeblich nicht gesund sein. Auch nicht die feine Ironie: „Doch sind sie satt, habt meinen Segen...“ Das begreift aber nur, wer weiß, dass man tunlichst mit leerem Magen in die Schlacht ziehen sollte, um nicht beim kleinsten Bauchschuss eine tödliche Sepsis zu bekommen, wenn sich Magen und Darm in den getroffenen Körper ergießen. Bier half und für die Feldherren das Reinheitsgebot. Damals haben die Brauer noch narrische Schwammerln und mehr in den Sud gegeben. Da schlief der Herren Heer am Morgen vor der Schlacht und war nicht wach zu bekommen.zum Repertoire

5. Kanonensong (Brecht/Weill)

Hat Brecht in die Drei-Groschen-Oper eingebaut und Kurt Weill raffiniert arrangiert, um die Duisburger Weisheit zu verkünden, dass Polizisten und Gangster sich kaum unterscheiden. Schimanski: Für einen Gangster war ich zu feige. Nur Kinder begreifen den Song. Die Erwachsenen sind alles Angeber. Auf Kanonen wohnen redet Kindern keiner ein.zum Repertoire in Reserve

6. Der Zündschnüre-Song (Degenhardt)

Franz-Josef Degenhardt hat mit dem Drehbuch und dem Song zu „Zündschnüre“ seine Kinderzeit in Schwelm auf die Leinwand gebracht. In Orte wie Düsseldorf-Reisholz durfte sich bis Kriegsende kein Nazi in Uniform blicken lassen, auch nicht in Formation, wenn einem das Leben lieb war.zum Repertoire

7. Ich bin Soldat, doch ich bin es nicht gerne (trad.)

Habe ich am 4.4.05 mit den dort Anwesenden Vertretern der Republik Österreich an einem Denkmal für Deserteure gesungen. Selten genug, ein solches Denkmal. Solche Lieder galten als defätistisch, Wehrkraft zersetzend und ihr Singen wurde streng bestraft. Dem Text nach zu urteilen („Blauer Königsrock...“) ist es wenigstens hundert Jahre alt.zum Repertoire in Reserve

8. Jusqu’à la ceinture (Alwright/Seeger/Seeger)

Durch den in Frankreich vagabundierenden Australier Graeme Alwright ist das Lied von Pete Seeger besser bekannt geworden als das Original in den USA. Jean Faure hat es im Triumph von Gap nach Bonn getragen, dem Militärdienst in der Armee von Dien Bien Phou und Algier glücklich entronnen. Daraus jedes Mal einen fröhlichen Scat zu machen war ihm ein Bedürfnis und für Steffen, Gerd und mich par force, um mitzuhalten. Dem irren Hauptmann am Mississippi müssen wir eins zugute halten. Er marschierte voran. Die feigen Hauptleute der deutschen Wehrmacht zum Schluss hinterher. Und wehe, es drehte sich bei aller feindlichen Übermacht einer verzweifelt zu ihnen um. Da drohten die Hauptleute ihrer eigenen Mannschaft mit der Pistole – von wegen Kameradenmörder.zum Repertoire in Arbeit

9. Au Chemin de la guerre (trad. /Melusine)

Auf dem Kriegspfad wächst kein Weizen, ist mehr als bäuerliche Weisheit. Die Moritaten habe ich noch nicht alle übersetzt. In der dritten Strophe bringt der Soldat seinen Hauptmann um. Eine abgezogene Granate durchs Fenster ins Offizierskasino zu werfen war im Vietnamkrieg gelegentliche Übung.zum Repertoire in Reserve

10. Enfant perdu (Heine/Fraeulin)

Heinrich Heine kann einen wirklich rühren. Dreißig Jahre Korrespondent für die Freiheit anderswo und in Paris, für ihn zuletzt Matratzengruft. Und dann dieses Eingeständnis, feige zu sein und Angst zu haben wie wir auch: „Sie zu verscheuchen hab ich dann gepfiffen, die frechen Reime eines Spottgedichts.“ Was bleibt von einem frechen Reim, wenn man sich gerade einmal traut, die Melodie zu pfeifen?zum Repertoire in Reserve

11. The Foggy Dew (trad.?/Frank-Patrick O’Neill)

Sinnead O’Connor ist einfach zum Niederknien, wenn sie die Hymne auf die irische Revolution singt, welche auf den Osteraufstand von 1916 zurückgeht, als irische Bauern für die britische Armee im ersten Weltkrieg rekrutiert werden sollten. Seither werden sie nicht mehr alle auf einmal nach Dublin bestellt. Ihre Heimat sollten sie in Forts am Schwarzen Meer verteidigen. Das sprach sich herum und keiner war dafür. Die besser bewaffneten „britischen Hunnen“ segelten im Morgennebel die Liffey hinauf nach Dublin hinein und machten dem Aufstand ein Ende. Geblieben sind die Einschusslöcher am Hauptpostamt.zum Repertoire

12. Le Deserteur (nicht von Boris Vian, trad.)

Die Moral dieses Liedes aus den napoleonischen Kriegen ist eher die, sich für eine eventuelle Desertion gut zu bewaffnen, als Waffen und Munition in Panik wegzuschmeißen. Unser Deserteur geht in diesem Lied ziemlich rabiat und ohne Panik gegen Feldpolizei und Vorgesetzte vor. Bilanz: vier Tote… Sein Motiv: Er will nach Hause.zum Repertoire in Reserve

13. Argentinien-WM 78 (Schinkel)

Córdoba, jeder Österreicher weiß Bescheid, der legendäre Sieg gegen Deutschland. Gerd Schinkel hat etwas anderes interessiert. Die Spielresultate sind nur noch für national besoffene Österreicher relevant. Wie eine sattsam bekannte Militärdiktatur aus allen Köpfen in Österreich ausgeblendet wurde und zugleich im vollen Glanz dastehen konnte, macht es wert, das Lied von Gerd Schinkel noch einmal zu singen.zum Repertoire

14. Kalte Zeit (Sallmann)

Kalte Zeitdes Kölner Labels Eigelstein war ein Schallplattenprojekt, auf dem nach Wolf Biermanns Ausbürgerung aus der DDR auch rübergemachte Kollegen wie Jan Koneffke und Michael Sallmann ihr Lebensgefühl ausdrückten. Michael lieferte mit seinem einsamen Lied den Namen dafür. Steffen Kolodziej hat in seiner Version mit 5-String-Banjo noch eine Saite weniger. Das Lied ist in den Zeiten des kalten Kriegs entstanden. Die NATO beschloss mit Raketen nachzurüsten und die DDR entsorgte die regimekritische Kultur in den Westen, wo die dort regimekritischen Kräfte wie immer den Satz hörten: „Geh doch nach drüben!“zum Repertoire in Reserve

15. Geusenlied (trad.)

Den Aufstand der Niederlande gegen die spanische Vorherrschaft hat Schiller, Goethe und Beethoven schwer beschäftigt, wer weiß, wen noch? Vor Ort wurde jedenfalls Beethoven nicht gesungen, aber das aus dem Niederländischen leicht zu übertragen gewesene Lied. Die Geusen lebten außerhalb des Gesetzes, waren also vulgo Räuber, weil sie sich für ihr Dasein und Wohlbefinden nahmen, was sie kriegen konnten, wo was zu holen war. Wo wohl? Bei wem? So wurden sie Speer gegen die Tyrannei.zum Repertoire

16. Ballade vom Panzersoldat und dem Mädchen (Biermann)

Wie der Soldat nach dem Manöver an der Schießbude alle Kugeln aufkauft, sie angewidert in den Weihnachtsbaum schmeißt und seine Geliebte damit beeindruckt, mag naiv und romantisch sein, war aber ein deutliches Zeichen, den Krieg der Väter nicht fortsetzen zu wollen.zum Repertoire in Reserve

17. Die Moorsoldaten (Esser/Langhoff)

Das Lied von Johann Esser und von Wolfgang Langhoff aus dem KZ Börgermoor kolportiert gehörte einmal zum ernsten Teil aller Lagerfeuer-Folklore und trieb uns das Wasser in die Augen. Gegenüber Bergen-Belsen war KZ Börgermoor hart, aber nicht so tödlich, was ich weiß. Das tröstet mich nicht. Die KZ-Insassen begriffen sich sehr wohl als Soldaten. Dafür sorgten nicht zuletzt die stundenlangen Appelle.zum Repertoire

18. Die große Hungersnot (trad.)

Dass ein deutscher oder österreichischer Kaiser sein ganzes Heer verhungern lässt, ist sicher eine Weile her. Der Melodie nach zu schließen berichtet das Lied aus dem 30jährigen Krieg. Bordun-Instrumente waren bei Straßenmusikanten, meist ausgediente Soldaten, in der Renaissance recht populär. „Einer ist übrig geblieben, der hat euch das Lied geschrieben, von der großen Hungersnot.“ Damit hat er sich ein paar Groschen erbettelt.zum Repertoire

19. Die Trommel oder Das Leibregiment (Tucholsky)

Kurt Tucholsky sei gedankt, dass es auch ein Spottlied auf die Veteranen des Krieges gibt, die ihre Erlebnisse weltmännisch verherrlichten, um zu vermitteln, dass der Krieg eine einzige Gaudi war. „Der einst dem Feind die Hosen klopfte, das war König Gustav der Verstopfte...“zum Repertoire in Reserve

20. Spaniens Himmel (Busch)

Die Lieder, die Ernst Busch aus dem spanischen Bürgerkrieg mit nach Hause nahm, und als er endlich nach Hause durfte, auf Platte sang, atmen das schwere Pathos der Niederlage. Mit einer kleinen Auslassung im Refrain hebt er den Kampf für die Freiheit ins Globale. Auch Wolf Biermann griff korrigierend ein, der historischen Wahrheit zuliebe: „Dem Faschisten werden wir nicht weichen/schickt er auch die Kugeln hageldicht/Neben uns stehen Kameraden ohnegleichen/und ein Rückwärts gibt es für uns – .“zum Repertoire in Reserve

21. Die Herren Generale (Busch)

„...haben uns verraten.“ Im spanischen Original sind es vier. Von den Vorgesetzten verschaukelt zu werden, ist ein geläufiger Topos in Soldatenhirnen. Das Lied hätte in der deutschen Wehrmacht unzählige Male gesungen werden können, wenn es denn dort bekannt gewesen wäre.zum Repertoire in Reserve

22. Legende vom toten Soldaten (Brecht)

Die auf einen französischen Walzer gesungene Ballade vom toten Soldaten im ersten Weltkrieg, der von einer „militärischen ärztlichen Kommission“ wieder ausgegraben und für KV (kriegsverwendungsfähig) erklärt wird, hätte dem jungen Bert Brecht die Musterung nicht erspart, aber beinahe das Abitur gekostet.zum Repertoire in Arbeit

23. Le Bruit des bottes (Ferrat)

Überall der Lärm der Stiefel, überall die Ordnung in Khaki (nato-oliv)... Jean Ferrat warnt seine Landsleute vor der Gefahr, die von den eigenen Militärs und Polizisten ausgeht. Das Lied ist aktueller denn je. 80-85% der Männer mit dem Képi wählen den Front national von Jean-Marie Le Pen oder würden ihn am liebsten wählen, wenn es klüger wäre. Hans Fraeulin warnt mit neuem Text die Menschen in Österreichzum Repertoire

24. Ballade vom Kameramann (Biermann)

Ein Kameramann filmt, wie ein chilenischer Soldat während des Putsches auf ihn anlegt. „Dann wackelt das Bild, der Film reißt ab. Das ist es, was ich gesehen hab’“ Der Zeuge des Unheils wird zu seinem Opfer. Der Krieg will keine Tatzeugen, schon gar nicht unparteiische Berichterstatter. Schlachtenbummler wurden sie verächtlich genannt. Gaffende Zuschauer gab es früher immer. Erst im „totalen Krieg“ war das vorbei, aber jetzt zuletzt im slowenischen Unabhängigkeitskrieg standen jede Menge ÖsterreicherInnen an der Grenze, um zu schauen. Sie sind wichtig, noch wichtiger die Professionals, deren Bilder und Berichte vom Krieg um die Welt gehen. Sie ächten damit den Krieg an sich. Karl Kraus hatte nur den Hurra-Journalismus gekannt und ihm mit der Schalek ein böses literarisches Denkmal gesetzt. Wolf Biermann singt als einziger von einem unerschrockenen Teilnehmer des Krieges, der sich von Parolen aller Art nicht in seiner Arbeit beirren lässt und das mit dem Leben bezahlt.zum Repertoire in Arbeit

25. Le Roi Renaud – König Reno (trad. franz./Biermann)

Dass die Feldherren in Schlössern und im sicheren Bunker fröhlich Skat spielen und sich zu Tode saufen, während ihre Mannschaften an der Front verreckten, wurde erst in den beiden Weltkriegen üblich. Früher zogen sie noch selber in die Schlacht. Da passierte es ihnen auch manchmal so wie dem „König Reno – vom Kriege heimgekehrt ist er/trägt sein Gedärme vor sich her“, hat Wolf Biermann genau so drastisch übersetzt, wie es im Original, von Yves Montand gesungen, heißt: „Le roi Renaud de guerre vint/tenant ses tripes dans ses mains“zum Repertoire in Reserve

26. Ballade vom Weib und dem Soldaten (Brecht/Eisler)

Der Soldat als lustiger Schürzenjäger in Europas Hauptstädten. Aus der Lichterstadt Berlin bekommt sein Weib zum Schluss den Witwenschleier. Das Lied muss ich noch suchen. In der aus dem Archiv gefischten Version mit der klugen Frau und ihren bohrenden Fragen beschwört Brecht die Frauen, etwas gegen den Krieg zu tun. Da hätte er bei Elisabeth I. und Margaret Thatcher dumm angestanden.zum Repertoire in Reserve

27. Kälbermarsch (Brecht)

Parodie auf das Horst-Wessel-Lied, so etwas wie die Hymne der Nazis: „Hinter der Trommel her marschieren die Kälber/Das Fell für die Trommeln liefern sie selber...“zum Repertoire

28. Das Lied vom SA-Mann (Brecht/Eisler(?))

V-Effekt einmal anders. Brecht versetzt sich in Herkunft und Schicksal eines Hitlerschergen bis zum bitteren Ende. Um das zu verstehen und glaubwürdig zu singen, sollte der Sänger wenigstens eine SA-Uniform tragen und schön blöd ausschauen. Unvergessen Heinz Bennent in dem Film Die Blechtrommel.zum Repertoire in Reserve

29. Soldat, Soldat (Biermann)

Das Lied ist eine Warnung an alle Soldaten, sich nicht in einen Krieg hineinziehen zu lassen. Wegen des Schlussverses ist der Kommunist Biermann von Sozialisten und Kommunisten aller Sorten heftig angegriffen worden. In westdeutschen linken Kreisen wurde sogar ein Gegenlied gesungen: „Soldaten sind nicht alle gleich, lebendig nicht und nicht als Leich’“ „Sind...“, belehrte sie der Dichter, habe er gar nicht gesungen, sondern: „Soldaten sehn sich alle gleich, lebendig und als Leich’.“zum Repertoire in Reserve

30. Shtil, die Nacht is oisgeshternt (unbekannt)

Jüdische Partisanen waren froh über jede kleine Pistole, die sie ergattern konnten, um irgend etwas gegen die Nazis zu unternehmen. Eigentlich ein lächerlicher Versuch, sich mit einem Colt-Revolver gegen eine Panzerarmee zu wehren. Was immer sie auch gegen den Nazi-Terror unternahmen – heute darf niemand sagen, die Juden hätten sich alle willig zur Schlachtbank führen lassen.zum Repertoire

31. Partisanen vom Amur (trad./unbekannt)

Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Sowjetregierung 1917 war das "Dekret über den Frieden": Russland zog sich aus dem Ersten Weltkrieg zurück, verkündete Waffenstillstand an all seinen Fronten und schickte seine Soldaten nach Hause. Wenige Wochen danach fielen vierzehn fremde Staaten, darunter Großbritannien, Frankreich, Deutschland, USA und Japan, mit ihren Armeen von allen Seiten her in Russland ein und hatten - im Bündnis mit den "weißen" Armeen zarentreuer russischer Generäle - bis zum Sommer 1918 schon drei Viertel des russischen Riesenreiches besetzt.
Aber Fuß fassen konnten die Besatzer nicht. Viele Russen setzten große Hoffnungen auf die neue Sowjetregierung, sie wollten nicht länger Frondienste leisten für russische Fürsten, polnische Wojwoden und ukrainische Atamane, oder unter der Militärdiktatur leben, die der Zaren-General Koltschak jetzt mit Unterstützung der USA am Ural errichtete, oder sich in Ostsibirien unter japanische Kolonialherrschaft fügen. Die Besatzungstruppen wurden vom Volk boykottiert, vielerorts bildeten sich Partisanengruppen und bekämpften sie, und so konnte die eilends aufgestellte "rote" Armee die Eindringlinge in knapp zwei Jahren wieder vertreiben und ihre "weißen" Hilfstruppen im Lande besiegen.
Nur am Fluss Amur im fernen Osten Sibiriens zogen die Kämpfe sich noch zwei Jahre hin: Doch auch hier siegten am Ende die Partisanen über die versprengten Reste der "weißen" Armeen, befreiten 1922 die Städte Wolotschajewka, Spassk und schliesslich Wladiwostok von der japanischen Besetzung und beendeten damit endgültig den zähen Kampf des Volkes und seiner Partisanen gegen die fremden Besatzungsmächte und die letzten Überreste des Zarenregimes – und das Lied der "Amurpartisanen" wurde zum Symbol für den siegreichen Abschluss dieses Kampfes.
© Kai Kracht 2002zum Repertoire in Reserve

32. Hasta siempre, Comandante (Puebla/Biermann/Puebla)

Der argentinische Arzt Ernesto “Ché“ Guevara hängt nach seinem frühen Tod 1967 immer noch als Ikone in den Kinderzimmern, obwohl oder vielleicht weil nicht einmal die Eltern wissen, dass er in Kuba Minister und der Begründer des Kleinkriegs, der Guerrilla war. Mit dieser Taktik bekämpfte er aus dem bolivianischen Dschungel heraus die dortige Diktatur und wurde deswegen überall verehrt. Carlos Puebla aus Kuba hat ihm ein musikalisches Denkmal gesetzt, kongenial von Wolf Biermann übersetzt, der uns hier wieder einmal belehrt: „Uns bleibt, was gut war und klar war/dass man bei dir immer durchsah/und Liebe, Hass, doch nie Furcht sah/Comandante Ché Guevara.“ Das heißt ja nicht, dass er keine Furcht hatte, so Biermann, man hat es ihm nur nicht angesehen. Er war ein Mann der Tat, auch ein guter Fotograf, wie sich erst viel später herausstellte, aber nicht ein Mann des Wortes: Zwei, drei, viele Vietnams schaffen zu wollen, wird von ihm kolportiert, um den Moloch USA zu schwächen. Bei mir im Büro hängt er auf einer mir zugeeigneten Postkarte an der Pinwand mit seinem Leitspruch: Seien wir realistisch, fordern wir das unmögliche.zum Repertoire in Reserve

Verfasser und Interpreten

Generell darf ich allen Liedern vom Krieg bescheinigen, dass sie jederzeit und überall mit einer Klampfe oder ohne gesungen werden können. Das zeichnet sie auch aus. Die „Gefährtin Gitarre“ durch den bolivianischen Dschungel zu schleppen, mag heute genau so überflüssig sein wie einen Fotoapparat mit sich zu führen. Vom nachgeborenen Luxus eines „Saitenwinds“ soll sich bitte niemand irritieren lassen. Diverse Verfasser und Interpreten kommen in meinem Archiv häufiger vor. Daher ein paar Worte zu ihnen, um keine Irrtümer zu vermeiden.

Saitenwind

Wir lernten uns auf Folk-Konzerten kennen, Jean Faure, Gerd Schinkel, Steffen Kolodziej und ich, und tingelten in den Siebzigern des letzten Jahrhunderts durch die Bundesrepublik und Frankreich. Vor dem Kölner Dom waren es einmal 20000 und ein Westdeutscher Rundfunk mit fünf Millionen an den Empfangsgeräten, in Wiesbaden kamen drei, weil Frank Zappa nebenan spielte. Für friedensbewegte Leute, die von Atomkraftwerken zu Kasernen zogen, spielten wir auf einem Fußballplatz in Wissembourg so lange den Drei-Groschen-Schluss, bis das Publikum tot umfiel. Es war natürlich umgekehrt. Wir schlichen uns fix und fertig davon und sie sangen immer noch weiter.

Mikis Theodorakis und Iakovos Kambanelis

Das KZ Mauthausen war für viele Griechen Hölle und schreckliches Ende. Wer in seiner Biografie Mauthausen verzeichnet hat, ist in Hellas ein Held. Iakovos Kambanelis schrieb über seine Erlebnisse in Mauthausen ein Buch und auf Anregung seines Verlegers, der ihn mit dem in allen Musikbranchen bereits weltweit berühmten Mikis Theodorakis zusammenbrachte, Lieder, die zeitgleich mit Erscheinen des Romans uraufgeführt wurden. Kambanelis hört seine Gedichte von Maria Farandouri gesungen ausgerechnet in Mauthausen auf der alljährlichen Gedenkfeier zum ersten Mal.

Wolf Biermann

Biermann ist nach Klaus der Geiger der wirkmächtigste aller Liedermacher deutscher Sprache. Dass die Umsätze im Kaufhof um 40% zurückgehen, wenn er davor singt und spielt, kann Wolf Biermann nicht beanspruchen, aber ein politisches Erdbeben ausgelöst zu haben. Nach einem Konzert in Köln wurde er aus der DDR ausgebürgert und mit ihm alle Kulturschaffenden von dort, die sich mit ihm solidarisierten. Das kam einem Aderlass wie in der Nazizeit mit der Vertreibung der Juden gleich. 13 Jahre später brach die DDR zusammen und für Biermann alle Hoffnung auf einen menschlichen Sozialismus.

Gerulf Pannach und Christian Kunert

Gerulf Pannach hat uns Andonis aus Mauthausen übersetzt und das mit neun Monaten Haft gebüßt. Nun ist er tot, vom nagend zweifelnden Krebs gefressen. Mit ihrer Politik der Ausweisung aller widerspenstigen Kunst nach dem Biermann-Eklat hat uns die DDR in der BRD mit so viel Kunstschaffenden beschert, dass sie im Westen nach Luft schnappten und diese Invasion lange nicht verkraften konnten. Heute sind Nina Hagen und Manfred Krug in die Pop- und TV-Kultur integriert, Armin Müller-Stahl ein Hollywood-Veteran und die ostdeutschen Dichter und Dichterinnen als solche kaum mehr auszumachen.

Hein und Oss Kröher

Die beiden Zwillingsbrüder aus Pirmasens haben uns mit ihren sonoren Stimmen auf der Burg Waldeck und in der Zitadelle von Mainz Lieder vorgetragen, die zwar hundert Jahre alt waren, aber nicht in unseren Schulbüchern standen. Sie singen immer noch zusammen, haben zuletzt die 17. CD herausgebracht, und da die deutsche Folk-Szene mit ihnen alt geworden ist, fällt es gar nicht auf, wie alt sie inzwischen sind. 2007 werden sie 80.

Franz-Josef Degenhardt

Sie nannten ihn den Georges Brassens deutscher Zunge, weil er zur Sprache brachte, was in der gängigen Schlagerfröhlichkeit seiner Zeit nicht vorgesehen war. Als Rechtsanwalt ließ er sich in Düsseldorf nieder, von wo unser aller Heinrich Heine herkam und nach Paris ging. Degenhardt war nicht besonders frankophil. Aber er ist der Begründer des deutschen Chansons. Mit einem Cantautore vom Schlage Paulo Conte hatte er gemeinsam, nicht in alle Höhen singen zu können, aber dafür wahre Geschichten zu erzählen gewusst.

Heinrich Heine

Ausgezogen ist der Judenbub aus Düsseldorf, um als Korrespondent in Paris zu enden. Mit seinen leichtfüßigen Versen hat er die Frauen bis hin zur Kaiserin betört und die Männer fallweise auch. Nicht einmal die Nazis haben ihm etwas zu Leide tun können. Seine Bücher haben sie verbrannt und sein Lied von der Loreley zähneknirschend in die eigene Kladde eingetragen – als von einem unbekannten Dichter. Wer Deutschland begreifen will, lese sein Wintermärchen.

Bertolt Brecht

Brecht ist sicher der größte Dramatiker des vorigen Jahrhunderts. Seine Gedichte wurden von Hanns Eisler, Paul Dessau, Kurt Weill und vielen anderen namhaften Komponisten vertont. Die wenigsten wissen, dass Brecht viele seiner Gedichte anhand bekannter Melodien geschrieben und zur Gitarre gesungen hat, wobei er sich nicht scheute, die Melodien mehrfach zu verwenden. Es ersparte ihm das Einüben neuer Griffe auf der Gitarre. Er orientierte sich an Kirchenchorälen und der damals gängigen Popmusik, die zu seiner Zeit aus Frankreich kam.

Ernst Busch

Deutschlands größte Schauspielschule ist nach ihm benannt. Ernst Busch war der Doyen der Schauspielkunst und des Liedgesangs in der DDR. Als Kommunist von den Nazis aus Deutschland vertrieben, kämpfte er gegen die Faschisten im spanischen Bürgerkrieg in den internationalen Brigaden. Mit seinen von dort mitgebrachten Liedern trug er viel zur Glorifizierung ihres freiwilligen Einsatzes für eine Republik bei, deren Sprache die meisten erst lernen mussten. Ernst Busch hat nicht nur Bertolt Brecht, sondern auch Kurt Tucholsky, Erich Kästner und Frank Wedekind Vinyl-Ehren verschafft.

Yves Montand

Wenigstens drei Generationen Kinogeher sind mit Yves Montand aufgewachsen. In diesem Liederzyklus begegnen wir ihm zweimal, als einfühlsamen Chronisten vom Tod des König Renaud und in der Rolle des Abgeordneten Lambrakis in Konstantin Costa-Gavras Film „Z“, für den Mikis Theodorakis sein Mauthausen-Oratorium einsetzte und mit atemberaubenden Percussions versah.

Jean Ferrat

Jean Tenenbaum verlor seinen Vater im KZ Auschwitz und wurde mit seinen Versionen der Gedichte des spanischen Kommunisten Louis Aragon gegen alle Zensur zum großen Chansonnier der Linken in Frankreich. Sein Durchbruch war 1954 mit einem gar nicht unpolitischen Liebeslied, „Ma môme, elle joue pas les starletteselle travaille en usine à Creteil.“ Er hat sich etwas seltsam in eine Fabrikarbeiterin verliebt. Er hat die Volks­kommunen in China besungen und wurde schließlich um seine Meinung gefragt. Die hat er allen gegeben. Würde er heute etwas Unpolitisches singen, wäre es sofort politisch.
www.paroles.net/artis/1360

Sinnead und die anderen

Die heilige Johanna gibt es hier und heute mit Sinnead O’Connor oder mit Björn Bork, machtvolle Stimmen, die uns bis ins Mark erschüttern. Blech um den Leib brauchen sie sich nicht mehr zu schnallen, um den Menschen den Weg in die Freiheit zu weisen. Wenigstens einen wüssten wir gerne. Alle, die in diesem Liederzyklus vorkommen, ehrt ihr Bemühen um eine bessere Welt. Seltsam, dass es für die wenigen Völker, denen es gelungen ist, ohne Waffengewalt ihre Freiheit zu bekommen, keine Lieder gibt, obwohl wir von Mahatma Gandhi zum Beispiel eigentlich alles zu wissen meinen – aber ein Lied?, vom Dalai Lama ein Lied? Ja, das Hare Krishna. Aber es bedeutet uns sehr wenig. Vom „Wir sind das Volk“ ist mir nichts überliefert. In den Fernsehbildern kamen Lieder nicht vor, vielleicht: „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, oder „We are the Champions.“ Natürlich sind solche Lieder für einen Abend mit Liedern vom Krieg nicht nur erlaubt, sondern auch geboten, wenn wir uns des Sieges nicht schämen. Über jeden Sieg sollten wir uns schämen – bei allem Triumph, der uns überwältigen könnte. Ich kann das nicht begründen. Aber jedes Mal, wenn ich gewonnen habe, werde ich still und klein. Ich eigne mich nicht für Triumph, schon gar nicht für Siegestaumel. Wo Sieger, auch Verlierer. Die Vorstellung, zufällig auf der weniger günstigen Seite zu sein, macht mich demütig.

Nicht auf CD – offen

33. Bandiera Rossa

Das rote Band wies die Partisanen als Kombattanten nach der Genfer Kriegsrechtskonvention aus und war zur Not ein blutgetränkter Streifen aus einem Betttuch gerissen und um den linken Arm gewickelt. Das Oberkommando der deutschen Wehrmacht verweigerte ihnen allerdings die Anerkennung als Kriegspartei und erklärte Partisanen für „vogelfrei“. Gefangene Partisanen wurden umstandslos erschossen. Mit seinen berüchtigten Anweisungen zur „Bandenbekämpfung“ ordnete Hitler Massaker unter der Zivilbevölkerung an als Vergeltung für die Angriffe des wie „Fische im Wasser“ (Mao) sich bewegenden Widerstands. Aus dem Fetzen am Ärmel wurde die gleichfalls besungene Rote Fahne.

34. Bella Ciao

Eines der populärsten italienischen Volkslieder überhaupt. Darin spiegeln sich die Taktik und die große Gefahr, in der sich die Partisanen damals befanden, wider, aber auch Abschied, Wehmut und die Liebe. Musikalisch herber die griechische Version Yo maste dyos, welche Georges Moustaki ins Französische gebracht hat: Nous sommes deux. Zwei sind wir, inzwischen auch von mir auf Deutsch erhältlich. Wird in unser Repertoire aufgenommen.

35. Lied des österreichischen Widerstands (Heider, trad.)

1831 wurde das alte Volkslied das erste Mal von Julius Mosen zum Andreas-Hofer-Lied umgedichtet. Dem Lied erging das noch öfter so. Auch Sylvester Heider schrieb eine Version für die österreichischen Partisanen: „Zu kämpfen und zu sterben/bis Österreich frei von Schand’.“ Heider fiel als kommunistischer Partisan am 22.6.44 am Achnerthörl bei Trofaiach im Kampf gegen eine Sondereinheit der Gestapo.

36. Le Deserteur (Vian/Harig)

Wer zum Wehrdienst nicht zeitgerecht erschien, galt in Frankreich bereits als Deserteur. Das Land hatte seine schmutzigen Finger in Vietnam und Nordafrika im Spiel. Frankreichs Söhne wollten dabei nicht mehr mitmachen. Boris Vian wurde mit seinem einfach gesungenen Brief an „Monsieur, le président“ General de Gaulle zum Held seiner Generation. In der ersten Fassung will er noch auf alle, die ihn abholen wollen, schießen. In der populär gewordenen Version versichert er, unbewaffnet zu sein und dass er jederzeit abgeknallt werden kann.zum Repertoire

37. We shall Overcome (Seeger)

Wer Pete Seegers Botschaften in etwa kennt, weiß, dass er mit diesem Song am Ende seiner Weisheit war, als er das Lied zum ersten Mal sang, vielleicht sogar ein Akt der Verzweiflung. Er hatte den zweiten Weltkrieg, den Koreakrieg hinter sich gebracht und den Vietnam-Krieg vor Augen.

38. Das Heckerlied (trad.)

Es ist nicht so leicht, aus einer verzopften Fürstenherrschaft eine badische Republik zu zaubern. Friedrich Hecker und seine Mitstreiter haben es 1848 gewagt, tapfer gekämpft – und schließlich gegen das preußische Expeditionscorps verloren. Bei seinem Zug von Konstanz durch den Hotzenwald zur Karlsruher Residenz hätte niemand sterben müssen, wenn nicht der dumme Heinrich von Gagern gewesen wäre. Hecker emigrierte in die USA, stellte im Bürgerkrieg für Präsident Abraham Lincoln Regimenter auf und starb, in Baden und in den USA zeitlebens hoch geehrt als Colonel der Reserve auf seiner Farm in Illinois. Martin Walser, auch so ein Badener, hat ihn mit seinem Nachruf vor dem Vergessen bewahrt.

39. Badisches Wiegenlied (trad./Mossmann)

„Schlaf, Kind, schlaf leis – da draußen geht der Preuß...“ Wer hat schon immer gewusst, dass Schlaflieder Kriegslieder waren, „…Pommerland ist abgebrannt…“, und sind? Ich fürchte, keine Oma weiß das mehr. Grund genug hätte sie. „Unsre Enkel fechten’s besser aus“, geifern im Geyerlied die Opas.

40. Zu Straßburg auf der Schanz (trad.)

Was hatten die Feldherren nur am Elsass? Es muss wohl die gute Küche gewesen sein. Sie war und ist weder deutsch, aber sehr französisch, weil voller Fantasie und frei von aller Häferlguckerei. Mathis der Maler Grünewald wurde mit seinem Isenheimer Altar Opernstoff, Bartholdy und Eiffel, Schulkameraden aus Colmar, schufen zusammen das Geschenk der französischen Revolution an die Vereinigten Staaten von Amerika, Miss Liberty, Albert Schweitzer ein Hospital in Afrika als Mahnung für die Schrecken der Kolonialherrschaft. Wir sollten sie erwähnen, wenn wir das Lied von dem Soldaten singen, der in Straßburg vor seinem Hauptmann zittert.

41. Es ist ein Schnitter, heißt der Tod (trad.)

„... und hat Gewalt vom lieben Gott. ... Hüt dich, feins Blümelein.“ Stand auf einem Flugblatt von 1638. Die Herkunft der aufgezählten Blumen verleiht dem Lied apokalyptischen Charakter. Da war der 30 jährige Krieg erst 20 Jahre alt.

42. Grândola Vila Morena (Afonso)

Das Lied von der „braunen Erde der Brüderlichkeit“ in Grândola war Signal und Hymne für Portugals Soldaten, die Salazar-Diktatur zu vertreiben und sich anschließend rote Nelken in die Gewehrläufe zu stecken, um allen Portugiesen zu demonstrieren, dass sie auf der Seite des Volkes stehen.zum Repertoire in Arbeit

43. Gegen Verführung (Brecht)

Zu singen wie ein Rosenkranz zu beten ist – aus einer Zeit, als Staat und Kirche noch das Deutungsmonopol für das irdische Dasein hatten.

44. With Guns and Drums (trad. irisch/Biermann)

„...haroo! haroo! ... Johnny, I hardly knew you”, Ich habe dich kaum wieder erkannt, singt seine Mutter, als ihr Sohn schwer versehrt aus dem Krieg heimkehrt. Wolf Biermanns Übersetzung ist um nichts weniger deutlich. „Johnny, nun liegst du so da.“ Als das Lied eine amerikanische Militärkapelle bei der Beerdigung eines Kameraden intonierte, dachte ich an einen schlechten Scherz des Filmregisseurs.

45. Universal Soldier (Donovan)

Mit diesem Antikriegslied wurde Donovan Leitch 1965 zum Popstar der friedensbewegten Folk-Szene international. Darin macht er alle Soldaten egal auf welcher Seite für den Krieg verantwortlich, aber auch uns, die wir ihnen die Orders und Befehle geben. Das kam bei der Jugend trotz der etwas verkürzten Darstellung der Mechanismen des Krieges gut an. Überall kämpften sie für das Recht, den Kriegsdienst verweigern zu dürfen – mit Erfolg, jedenfalls im Westen.zum Repertoire in Reserve

46. Ach, die erste Liebe (Okudjawa/Biermann/Okudjawa)

Das Lied von Liebe und Verrat des berühmten russischen Chansonniers Bulant Okudjawa. Ach, die erste Liebe macht das Herz nur schwach und die zweite Liebe weint der ersten nach. Doch die dritte Liebe: Schnell den Koffer gepackt und den Mantel gesackt und das Herz splitternackt – Ach, der erste Verrat kann aus Schwäche geschehen, und der zweite Verrat will schon Orden sehen. Doch beim dritten Verrat musst du morden gehen, selber morden gehen und das ist geschehen – Ach beim ersten Krieg, da ist keiner schuld…zum Repertoire in Reserve

47. Masters of War (Dylan)

Bob Dylan hat selten gesäuselt wie vielleicht in Blowin’ in the Wind, sondern konnte die Herren des Krieges sogar tüchtig verfluchen wie in diesem Lied: Sie seien das Blut in ihren Adern nicht wert und er werde sie verfolgen bis ins Grab, um sicher zu sein, dass sie endlich tot sind.zum Repertoire in Reserve

48. Feel-that-I’m-Fixing-to-Die-Rag (Country-Joe MacDonald)

“Gimme an F!” Country-Joe’s Auftritt in Woodstock, wo er seine ganze zynische Vietnam-Scheiße aus Herz und Hirn dem Publikum entgegenschleuderte, bleibt unvergessen wie Jimi Hendrix’ Parodie auf Stars and Stripes als Ausdruck kämpferischen Unbehagens gegenüber der amerikanischen Außenpolitik. Inzwischen gibt es wenigstens 13 Nachdichtungen auf den Irakkrieg.zum Repertoire

49. Imagine (Lennon)

John Lennons berühmtestes Lied zählt die Fakten auf, die nötig sind, um alle Kriege zu beenden. Dem Vorwurf, ein Träumer zu sein, hält er entgegen, nicht der einzige zu sein. Ich denke, ein würdiger Abschluss für die vielen Lieder vom Krieg, aber kaum im Zorn zu singen.

50. Nous sommes deux (trad./Moustaki/Fraeulin)

Yo maste dyos, zwei sind wir, war für Nachbarn Gebot der Stunde, als sie von ihren korrupten Regierungen verraten sich Soldatenhorden gegenüber sahen, welche ihre Häuser, Felder plünderten und ihre Frauen und Kinder vergewaltigten. Sie wurden Teilnehmer, Partigiani, Partisanen in einem ungleichen Kampf gegen einen übermächtigen Feind, der keine Gnade wusste, obwohl sie als Kombattanten mit einem roten Tuch am Arm sich zu erkennen gaben. Mit großen Opfern in den eigenen Familien haben sie Hitlers Armeen den Rest gegeben, einen letzten Arschtritt verpasst. Helden unserer Zeit.zum Repertoire

51. Edelweißpiraten

Wo es Edelweißpiraten gab, hatten es die Nazis schwer, Kinder für die Hitlerjugend und den Bund deutscher Mädchen zu gewinnen. Zu tausenden zogen sie es vor, ohne Uniform und den ganzen Behehlundgehorsamscheiß ins Siebengebirge oder an den Blauen See zu trampen, mit dem Rad oder sonst wie hinzukommen und unter sich zu sein. Habe ich ja auch gemacht, die Nazis längst weg, war dann aber erschüttert, als ich nach langer Schulzeit erfahre, dass dafür Menschen öffentlich aufgehängt wurden, weil sie Juden und entflohene KZ-Häftlinge in den Kölner Trümmerfeldern versteckt hatten. Sie wurden zu Gerechten unter den Völkern, nannten sich einst Edelweißpiraten. Wo dat Blömche jeblöht hätt, jo, do wor Widerstand. Es wird mir eine Ehre sein, das Lied in unserer gemeinsamen Sprache zu singen.zum Repertoire

.